{"id":2447,"date":"2023-10-04T12:00:00","date_gmt":"2023-10-04T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wirinsulaner.de\/?p=2447"},"modified":"2023-10-02T11:43:02","modified_gmt":"2023-10-02T09:43:02","slug":"die-insel-foehr-verneigt-sichvor-ihrem-letzten-original","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirinsulaner.de\/?p=2447","title":{"rendered":"Die Insel F\u00f6hr verneigt sich vor ihrem letzten Original"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.22.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.22.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.22.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/wirinsulaner.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/US-Besuch-2-.jpg&#8220; _builder_version=&#8220;4.22.2&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; title_text=&#8220;US-Besuch 2&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.22.2&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<p><em>So kannte man den Klingelmann.\u00a0\u00a0\u00a0 Foto: Andreas Hansen<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Nachruf auf Klingelmann Knudt Kloborg (1949-2023)<\/strong><\/em><\/p>\n<h1>Die Insel F\u00f6hr verneigt sich vor ihrem letzten Original<\/h1>\n<p>Viele Tage lang stand die Insel still. Eine nie zuvor erlebte Betroffenheit hatte sich breit gemacht. Als die schmerzvolle Gewissheit da war, dass F\u00f6hr mit Klingelmann Knudt Kloborg ihren gro\u00dfen Sympathietr\u00e4ger f\u00fcr immer verloren hat, war es f\u00fcr viele Insulaner schwer, ihre gef\u00fchlte Trauer in Worte zu fassen. Fahnen wurden ehrenvoll auf Halbmast gesetzt, Kerzen als Symbol des Lichts und der Hoffnung angez\u00fcndet, Blumen als letzten Gru\u00df abgelegt. Ganz pers\u00f6nliche Erinnerungen an gemeinsam Erlebtes mit \u00bbKnudt ut de Middelstraat\u00ab, wie er sich gern selbst genannt hat, taten sich bei jedem der Trauernden individuell auf. <br \/>F\u00fcr viele war Knudt Kloborg das Gesicht der Insel. Ob man sich eine Doku auf N3 anschaute oder beim Arzt in einer Frauenzeitschrift \u00fcber F\u00f6hr las \u2013 die gro\u00dfe, schlanke Figur des Klingelmanns mit dem stattlichen Bart durfte nie fehlen. Ob auf dem Fischmarkt, auf der Schifferbank am Sandwall oder beim Vortrag in der Hafenkneipe \u00bbGlaube Liebe Hoffnung\u00ab: Klingelmann Knudt nahm die Leute im Nu mit seiner unwiderstehlich norddeutsch lockeren Art ein. Lustig und informativ zugleich. Keine Werbeagentur h\u00e4tte ein besserer Vermarkter der Insel sein k\u00f6nnen.<br \/>Wird Wyk jemals wieder einen Klingelmann haben und diese gro\u00dfe Tradition fortsetzen? Wohl kaum jemand, der wie Kloborg tats\u00e4chlich die sieben Weltmeere bereist hat. Von 1964 bis 1967 lie\u00df sich Knudt Kloborg in Flensburg im \u00bbAngler Hof\u00ab zum Koch ausbilden. Mit diesem Wissen ging es als Kochsmaat und B\u00e4cker zur See. Auf der MS \u00bbAlsterblick\u00ab der Reederei Rob. M. Sloman, der MS \u00bbStellenbosch\u00ab der Deutschen Afrika Linie und der MS \u00bbTranseuropa\u00ab der Reederei Poseidon ging es 1968 und 1969 hinaus in die Welt. Nach Brasilien, Spanien und New York. Gern erz\u00e4hlte er stets von seinen \u00c4quatortaufen, welche er zweimal \u00fcber sich ergehen lassen musste, da er sein Zertifikat vom ersten Mal nicht dabei hatte. Ab 1969 war er dann auf Schleppern als Koch unterwegs, bis er 1975 in Bergen in Norwegen ausstieg. Ein geplanter Heimaturlaub f\u00fchrte 1976 zur Hochzeit und Geburt des ersten Kindes. <br \/>Nachdem Kloborg sechs Jahre lang in der Klinik \u00bbSonneneck\u00ab und bei \u00bbKlatts Gute Stuben\u00ab gekocht hatte, ging es 1982 wieder an Bord. Bei der W.D.R. arbeitete er als Decksmann, dann nach einer Fortbildung als Schiffsmechaniker und nat\u00fcrlich als Koch (MS \u00bbKlaar Kiming\u00ab, MS \u00bbInsel Amrum\u00ab, MS \u00bbNordfriesland\u00ab). \u00bbBocuse\u00ab nannte man ihn damals \u2013 nach dem franz\u00f6sischen Drei-Sterne-Koch. 2007 ging es in den Ruhestand. Doch ruhig wurde es nie. Entweder es ging auf Dieter Denkers Fischkutter auf Seetierfang, auf das K\u00fcstenmotorschiff von Martin Kreetz oder er verkaufte auf Jahrm\u00e4rkten f\u00fcr \u00bbHansi Eis\u00ab Punsch. Unvergesslich sind die regelm\u00e4\u00dfigen Sparclubreisen und unz\u00e4hlige Auftritte als Weihnachtsmann.<br \/>Einmal beim Besuch des HSV-Fans an einem Novemberabend im Volksparkstadion kamen die Fans von Celtic Glasgow freudig auf ihn zu und riefen: \u00bbSanta, bring us snow\u00ab. Und dann kam der Tag im Mai 2009, als sich Knudt Kloborg auf der 30. Flensburger Rum-Regatta neu erfand \u2026<br \/>Beim Schlendern mit einem Kumpel entlang des Flensburger Hafens entdeckte Kloborg eine Messingklingel, die er f\u00fcr 20 Euro Euro erstand. \u00bbWas willst Du denn damit?\u00ab fragte sein Freund. \u00bbWart\u2019s ab\u00ab, entgegnete er und ging zielstrebig zur \u00bbDagmar Aaen\u00ab, dem legend\u00e4ren Expeditionsschiff von Arved Fuchs. Hier lachte sich Knudt eins ins F\u00e4ustchen, fing an zu klingeln und lud die Schar der herbeigeeilten Schaulustigen zu einer Ausfahrt um 18 Uhr mit dem ber\u00fchmten Polarforscher f\u00fcr nur 5 Euro ein. Der Schiffseigner bekam dies unter Deck mit, eilte heraus und fragte, was dieser f\u00fcr einen Quatsch erz\u00e4hlen w\u00fcrde. Doch b\u00f6se konnte er ihm nicht sein, denn er pflichtete Knudt schnell bei, dass er gro\u00dfes Talent f\u00fcr Derartiges h\u00e4tte. Dies war der Moment, in dem Knudt Kloborg beschloss, Wyks neuer Klingelmann zu werden. Dieser sehr alten Wyker Tradition vom Herbeirufen der B\u00fcrger f\u00fcr interessante Bekanntmachungen.<br \/>Nachdem sich Kloborg in Wyk eine Uniform, eine passende M\u00fctze und auch eine entsprechende Genehmigung des Amtes besorgt hatte, konnte es losgehen. Doch beschr\u00e4nkte der neue Klingelmann seinen Job nicht nur auf das Ank\u00fcndigen vom Laternelaufen, dem B\u00fccherflohmarkt oder dem frisch gefangenen Fisch \u2013 er teilte auf am\u00fcsante Art bereitwillig seine auf See gesammelten Erfahrungen mit. Wie er als junger Mann das Gebiss eines Matrosen aus einer Hamburger Spelunke ausl\u00f6sen musste. Wie er dem Operns\u00e4nger Ren\u00e9 Kollo vor Amrum unter Deck das Krabbenpulen beigebracht hat. Wie er einmal mit einem Kollegen aber ohne Kapit\u00e4n von Helgoland nach Hamburg schipperte und prompt von der Wasserschutzpolizei gestoppt wurde. Stets mit dabei: Die Spendendose f\u00fcr die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbr\u00fcchiger. Rund 2.500 Euro an Spenden sammelte er jedes Jahr.<br \/>Nun ist der wohl bekannteste F\u00f6hrer von uns gegangen. Wie auch \u00bbWIR Insulaner\u00ab, verneigt sich die Insel vor ihrem letzten Original. Er war unser Aush\u00e4ngeschild. Er war unser Freund. W\u00e4re es nicht sch\u00f6n, wenn ein Ort wie der Platz am Gezeitenbrunnen \u2013 am Fu\u00dfe seiner \u00bbMiddelstraat\u00ab \u2013 einmal nach ihm benannt werden w\u00fcrde? <\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Tage lang stand die Insel still. Eine nie zuvor erlebte Betroffenheit hatte sich breit gemacht. 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