{"id":886,"date":"2022-12-21T13:15:07","date_gmt":"2022-12-21T12:15:07","guid":{"rendered":"https:\/\/wirinsulaner.de\/?p=886"},"modified":"2022-12-21T13:15:07","modified_gmt":"2022-12-21T12:15:07","slug":"erinnerungen-an-die-legendaere-tante-herta","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirinsulaner.de\/?p=886","title":{"rendered":"Erinnerungen an die legend\u00e4re \u00bbTante Herta\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; _builder_version=&#8220;4.19.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.19.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_column _builder_version=&#8220;4.19.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; type=&#8220;4_4&#8243; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/wirinsulaner.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221208_130043.jpg&#8220; _builder_version=&#8220;4.19.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; title_text=&#8220;20221208_130043&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.19.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p><em>Kai Ehlers und seine neue Ausstellung im MKdW\u00a0 \u00a0Foto: Andreas Hansen<\/em><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.19.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p><strong><em>Neue Ausstellung im Museum Kunst der Westk\u00fcste:<\/em><\/strong><\/p>\n<h1>Erinnerungen an die legend\u00e4re \u00bbTante Herta\u00ab<\/h1>\n<p>\u00bbOh pardon, sind Sie der Graf von Luxemburg?\u00ab tr\u00e4llert es aus der Musikbox. In Dreierreihen dr\u00e4ngt sich die Menge vorm Tresen. Man trinkt gezapftes Pils mit wenig Schaum und Tegner Insel-K\u00f6m mit einem Spritzer nat\u00fcrlicher Zitrone. Im Hintergrund brodelt Wasser f\u00fcr Teepunsch vor sich hin. Doch pl\u00f6tzlich teilt sich die Menge wie das Meer vor Moses. \u00bbTante Herta\u00ab betritt ihre Kneipe. Sofort hat die Chefin den Respekt aller inne. \u00bbVerdammte Bengels. Nicht zu laut!\u00ab, mahnt sie. \u00bbUnd Ihr da lasst die Frauen in Ruhe!\u00ab. Man wei\u00df, wer nicht pariert und Bl\u00f6dsinn macht, der kann schon mal den nassen Tresenlappen abbekommen.<br \/>Kai Ehlers, Dokumentarfilmer aus Berlin und langj\u00e4hriger F\u00f6hr-Freund, fotografierte die Kneipe unmittelbar nach ihrer Schlie\u00dfung. Auch die meisten der etwa 180 Objekte aus der Kneipe, die teilweise kolonialen Ursprungs sind, lichtete er mit der Unterst\u00fctzung eines Freundes ab. Viele dieser Aufnahmen werden nun im Museum Kunst der Westk\u00fcste (MKdW) ausgestellt. Nicht als Rekonstruktion, sondern als k\u00fcnstlerische Auseinandersetzung. Mit einer visuellen Technik entstehen Gegenbilder. Der Effekt hat etwas Geisterhaftes, was zu den nicht immer unbelasteten Relikten und auch zur erlebten Tragik passt. <br \/>Die neue Ausstellung in Alkersum ist ein Raum zum in Erinnerung schwelgen. Aber sie wirft auch allerhand Fragen auf: Wie hat sich die deutsche Kneipenkultur, aber auch die Handelsschifffahrt ver\u00e4ndert? Was macht man grunds\u00e4tzlich mit Objekten kolonialen Ursprungs? Ehlers fragt sich, ob der imperiale Gedanke \u00bbWir h\u00e4ngen andere an die Wand\u00ab nicht eine Form von Exotismus sei? Zweifellos sind die Objekte teilweise nicht unbelastet. Zum Beispiel die Walbarten von der \u00bbOlympic Challenger\u00ab, auf der in den 1950er Jahren unter dem griechischen Reeder Onassis von deutschen Matrosen rund 22.000 Wale erlegt wurden. In erster Linie sind sie aber ein St\u00fcck deutscher Zeitgeschichte. <br \/>Es ist eine besondere Welt, diese Seefahrerkneipe \u00bbGlaube Liebe Hoffnung\u00ab. An den W\u00e4nden h\u00e4ngen Reliquien aus der ganzen Welt. Harpunen, Walbarten, afrikanische Holzmasken, ein ausgestopfter Hai. Es ist wie eine Tapete. Eine Schildkr\u00f6te, ein Antilopengeweih, ein Walzahn mit Scrimshaw-Gravur, ein Schrumpfkopf. Mitgebracht von Seefahrten in aller Herren L\u00e4nder.<\/p>\n<p>Seit 1875 steuern viele Seeleute \u00bbGlaube Liebe Hoffnung\u00ab (beziehungsweise \u00bbB\u00f6ttgers Gasthaus\u00ab, wie es davor hie\u00df), die Kneipe in der Hafenstra\u00dfe 28, erstmal an, bevor sie sich dann sp\u00e4ter, viel sp\u00e4ter, weiter auf den Weg nach Hause machen. 30 F\u00e4sser Bier gehen hier jede Woche \u00fcber den Tresen. Herta Menden ist hier eine Instanz. Gemeinsam mit ihrer Schwester Inge, mit der sie t\u00e4glich mittags im wei\u00dfen Bademantel die Hafenstra\u00dfe hinunter zum Hafenstrand geht, betreibt sie viele Jahrzehnte diese einzigartige Trankwirtschaft. Herta bedient, Inge zapft. Herta, die bezeichnenderweise an Biike 1920 geboren ist, f\u00fchrt zwar ein resolutes Regiment, doch jeder kann zu ihr auch mit seinen Sorgen kommen. Und wenn es Zeit und Stimmung erlauben, holt sie gern das Schifferklavier raus und spielt.<br \/>Jede Zeit ist einmal vorbei. Im August 1998 stirbt Herta, zehn Monate sp\u00e4ter auch ihre Schwester Inge. Hertas Sohn, Claus-Otto Menden, der vorher sukzessive eingearbeitet worden war, \u00fcbernimmt. Aber er ist kein Wirt. Er ist ausgebildeter Gymnasiallehrer f\u00fcr Chemie und Sport \u2013 doch ohne Lehrauftrag. F\u00fcr ihn ist es eine Fremdbestimmung. Es passt nicht. Er spielt in der Kneipe eine andere Musik und korrigiert auch mal G\u00e4ste, wenn der Tresenschnack grammatikalisch nicht korrekt ist. Am Heiligabend 2010 \u2013 dem einzigen Schlie\u00dftag der Kneipe, weil da fr\u00fcher Geburtstag des Gro\u00dfvaters war \u2013 zerrei\u00dft etwas in Claus-Otto. Er nimmt Tabletten, \u00e4ndert sein Testament, l\u00e4sst Licht und Radio an, die T\u00fcr unverschlossen und springt ins von Eisschollen umsp\u00fclte Meer. Einige sagen an der Seebr\u00fccke, die Suchhunde sagen an der Mittelbr\u00fccke. Erst Ende M\u00e4rz wird sein Leichnam vor Amrum angesp\u00fclt.<br \/>Viele der Reliquien sind heute im Friesen-Museum eingelagert. Doch ob russische Matrosenm\u00fctze, getrockneter Piranha oder pr\u00e4parierte Schildkr\u00f6te \u2013 eine gro\u00dfe Zahl der fr\u00fcheren Exponate ist immer noch im \u00bbGlaube Liebe Hoffnung\u00ab zu bestaunen, dieser einzigartigen Kneipe, die seit Februar 2015 von Franco di Costanzo weitergef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Noch heute gilt: Wenn man einen F\u00f6hrer Taxifahrer bittet zu \u00bbTante Herta\u00ab zu fahren, wei\u00df dieser nicht nur, wo man hin m\u00f6chte \u2013 mit einem wissenden Schmunzeln auf dem Gesicht wird man dort auch abgeliefert.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_gallery _builder_version=&#8220;4.19.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; gallery_ids=&#8220;798,797,796&#8243; show_title_and_caption=&#8220;off&#8220; show_pagination=&#8220;off&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_gallery][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.19.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p><em>Herta Menden (1920 \u2013 1998) und ihre urige Seefahrerkneipe\u00a0 Fotos: Ausstellung<\/em><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kai Ehlers und seine neue Ausstellung im MKdW\u00a0 \u00a0Foto: Andreas HansenNeue Ausstellung im Museum Kunst der Westk\u00fcste: Erinnerungen an die legend\u00e4re \u00bbTante Herta\u00ab \u00bbOh pardon, sind Sie der Graf von Luxemburg?\u00ab tr\u00e4llert es aus der Musikbox. 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