Präsentierten bestickte Kopftücher: Helga Wögens und Kerstin Christiansen von der Utersumer Trachtengruppe (v.l.) Fotos: Andreas Hansen
Erstmals unter dem Motto »Historisches Handwerk« stand das diesjährige Sommerfest des Museumsvereins Föhr. Entsprechend viel Neues gab es im Garten des Dr.-Carl-Häberlin-Friesen-Museums zu bestaunen und zu erforschen. Umgeben von den sehr geschichtsträchtigen Gebäuden und historischen Exponaten des Museums konnten die zahlreichen Besucher von einem Föhrer Reetdachdecker erfahren, wo genau die Unterschiede zwischen Reetdach und dem herkömmlichem Dachdecken beispielsweise in Bezug auf Isolierung und Wohnklima liegen.
Ein früherer Maurer und heutiger Bauingenieur führte an dünnformatigen, kleineren Ziegelsteinen aus einem Abbruchhaus vor, wie diese früher mit Mörtel verputzt wurden und verriet, wie heute neue Steine mithilfe eines Betonmischers im Nu auf Alt getrimmt werden können. Nebenan erklärte die IG Baupflege Nordfriesland und Dithmarschen ausführlich die historische Bauart, zeigte auf, wie damals Dachkonstruktionen abbaubar waren, um an einem anderen Ort wieder aufgebaut zu werden und wie Reet früher noch, im Gegensatz zu den heutigen Edelstahldrähten, mit dünnem Tau gebunden wurde.
Das Handwerkerthema des Sommerfestes fand sich auch bei den vielen Aktivitäten für Kinder wieder. Erstmals konnte diese einen stabilen Webrahmen bauen, wie ihn früher viele Mädchen zu Hause hatten. Doch auch an Maurerarbeiten konnten sich die Kinder versuchen, ebenso Spanschachteln anmalen, filzen, Wolle spinnen, Seile drehen und Lederbeutel anfertigen. Besonders faszinierend für viele war die neue Murmelbahn mit Sprungschanze und vielen Kurven, die bei den Kleinsten besondere Beachtung fand.
Wie in jedem Jahr war bestens für das leibliche Wohl gesorgt. Ob Kaffee und Kuchen, Pizza, Wurst im Brötchen oder etwas Stockbrot vom Pfadfinderstamm Vega aus Süderende: Für jeden Besucher war mit Sicherheit das Richtige dabei.
Optisches Highlight des Tages waren zwei aktive Trachtenfrauen der Utersumer Trachtengruppe, die das Besticken von Kopftüchern für Trachten erklärten. Unmittelbar vor dem Haus Olesen, dem ältesten Föhrer Haus, in dessen Stube schon viele standesamtliche Hochzeiten in Tracht stattfanden, hatten die Damen alle nötigen Accessoires ausgelegt, wie sie früher verwendet wurden. Über den Winter oder beim Kaffeebesuch übten damals die Föhrer Frauen ihre Nadelarbeit aus und verwendeten dabei Rahmen, auf denen die Kopftücher neu bestickt oder ausgebessert wurden. Wertvolle Materialen wie Satin wurden hierbei verwendet. Alte, über Generationen weitergereichte Pappmuster wurden durchgepaust, sodass besondere Schätzchen entstehen konnten, die im Frühjahr sofort die Bewunderung und Anerkennung vieler ernteten.
Das Sommerfest des Friesen-Museums war wieder eine schöne Hommage an frühere, spannende Zeiten, das viele Gäste mit einem kostenfreien Besuch des Museums abschlossen. Mit der Hilfe unzähliger Freiwilliger konnte auch in diesem Jahr ein abwechslungsreicher Familientag gestaltet werden, wie er attraktiver kaum sein könnte.