Beim Auftritt des DJ-Ötzi-Doubles gab es Polonaisen und tanzten die Leute auf den Tischen.
Leserbrief von Jann Martensen:
Eigentlich sollte der nächste Schweineball, einer der traditionellsten und beliebtesten Bälle auf der Insel, am 7. März wieder in »Krögers Dörpskrog« in Oevenum stattfinden. Es wäre der 97. gewesen. Doch auf der letzten Jahreshauptversammlung der Schweinegilde, die nur noch als alleiniges Vereinsziel die Ausrichtung des Schweineballs hatte, wurde beschlossen, die Gilde aufzulösen. Unter anderem mangels Engagement der Mitglieder, wie es hieß. Was ebenfalls das Ende des Schweineballs bedeutete, zum Bedauern vieler Föhrer. Besonders derer, die die rauschenden Ballnächte noch gut in Erinnerung haben. Auch Jann Martensen, der Sohn des langjährigen Vorsitzenden Jens Martensen, zeigte sich enttäuscht und hat in einem Leserbrief an »WIR Insulaner« einen Nachruf auf die Schweinegilde verfasst:
1989 übernahm Jens Martensen den Vorsitz der Schweinegilde von seinem Nachbarn Jan von Dohlen, der diesen seinerseits seit 1972 inne hatte. Zu diesem Zeitpunkt konnte die Gilde auf 50 Mitglieder verweisen. Durch viel persönlichen Einsatz fand der Ball 1990 dann zusammen mit 20 Mitgliedern des Kleingartenvereins im Saal des damaligen »Colosseum« statt. Wie immer mit reichlich Manhattan, Blasmusik und dem obligatorischem Grünkohlessen.
Jahr für Jahr ging es mit viel Elan bergauf, sodass in den 90er Jahren und Anfang der 2000er die Nachfrage so groß war, dass es manchmal eine Warteliste gab. Mehr als 223 Besucher gingen trotz zusätzlicher Belegung in den damaligen Katakomben, wo sich sonst die Garderobe dieses legendären Veranstaltungsorts befand, nun wirklich nicht hinein. Sogar das Fernsehen kam und auch die Kurverwaltung zeigte auf einmal Interesse, denn es kamen Besucher von weit her, um am größten Ball des Jahres auf Föhr teilzunehmen!
Der Kartenvorverkauf wurde im Geschäft in der Mittelstraße von Jens Martensen (Juwelier am Rosenbeet) durchgeführt. Zettel um Zettel mit dem Sitzplan wurden ausgefüllt, um allen gerecht zu werden. Was nicht immer einfach war, denn nicht abgeholte Karten, Krankheit oder ein plötzlich auftretender Urlaub brachten so manchen Plan durcheinander. Und auch nötige Preisanpassungen stießen nicht immer auf Verständnis. Doch ein schöner Ball entschädigte alle.
Zur Seite stand Jens Martensen ein treuer und harter Kern von Helfern und deren Frauen. Es wurde gebastelt, geschmückt und der Saal gemeinsam mit ganz viel Fleiß dekoriert. Das wurde mit viel Freude gemacht, da gab es Zusammenhalt. Die Tombolapreise wurden bei der Föhrer Geschäftswelt eingekauft. Als Zugabe gab dann so mancher Geschäftsmann oder manche Geschäftsfrau gern noch etwas dazu. Spenden wurden also nicht eingefordert. Im Gegenteil, die Gilde unterstützte den Handel mit dem Ball sogar. Warum ging das zuletzt nicht mehr? Fehlte es nicht nur bei den Mitgliedern an Engagement, sondern auch im Vorstand?
Früher wurden alle jedes Jahr auch noch mit einem Stargast überrascht. Es kamen ein Bauchredner, die Theatergruppe aus Seestermühle, ein Comedian als Trauerredner oder das viel gefeierte Andrea-Berg- und nicht zuletzt das DJ Ötzi-Double, als die Gäste davon hingerissen sogar auf den Tischen tanzten.
2013 waren es 120 Ballbesucher und 2014 in der Nationalparkhalle wieder 180, wovon 100 keine Mitglieder der Schweinegilde waren. Es gab den obligatorischen Grünkohl von Buth und die Schmalzbrote, die Franco den Ballbesuchern traditionell um Mitternacht spendete. Nach 30 Jahren voller Hingabe, übergaben Jens Martensen und sein immer noch harter Kern das Zepter an Thorsten Tramm aus Midlum, der sich unter seiner Federführung immerhin über 151 Ballbesucher freuen konnten. Nur kurze Zeit später fand ein erneuter Vorstandswechsel statt. Andreas Hansen übernahm die Verantwortung. 2025 waren es noch 120 Personen, die in »Krögers Dörpskrog« feierten. Obwohl dieser, der letzte Ball hoch gelobt worden war, soll nun Schluss sein? Dass die Corona-Pandemie und die wachsende Bürokratie dieser Tradition nicht gut taten, steht ebenso außer Frage wie das mangelnde Engagement der Mitglieder. Aber musste die Gilde tatsächlich aufgelöst werden? Musste es wirklich sein, das der 97. Ball nicht mehr stattfindet – und auch nicht der 98., 99. und 100.? Wäre es nicht gut gewesen, sich zuvor einmal vom langjährigen Vorsitzenden und seinem harten Kern beraten zu lassen, bevor man die schwerwiegende Entscheidung, eine Tradition zu beerdigen, trifft? 30 Jahre lang lief es doch sehr gut …
Mein Dank gilt allen, die diesem Verein treu zur Seite standen sowie den vielen Helfern, die mit Ihrem Einsatz den Insulanern und Festländern so schöne und feuchtfröhliche Stunden beschert haben?
Jann Martensen
Mittelstraße, Wyk auf Föhr