Ina und Harald Baumgart sowie Wrixums Bürgermeisterin Heidi Braun (re.) mit dem Transparent, das auf das Müller-Diplom am Mühlentag hinweist.
Neben der historischen Bockwindmühle auf dem Gelände des Friesen-Museums gibt es auf Föhr noch vier weitere prächtige Mühlen: In Wyk, in Oldsum, in Borgsum und in Wrixum. Die Wrixumer Mühle – in seiner heutigen Form ein Erdholländer aus dem Jahr 1851 – ist allerdings die einzige Mühle auf der Insel, in der noch Mehl gemahlen werden kann und bald auch wird. Denn Ina und Harald Baumgart vom Mühlenverein sind gerade dabei, eine Ausbildung als ehrenamtliche Müllerin beziehungsweise ehrenamtlicher Müller zu machen. Um in der Lage zu sein, aus regionalem Korn Mehl zu mahlen und zum Verkauf anzubieten. Am Deutschen Mühlentag, der immer am Pfingstmontag stattfindet und an dem auch die Wrixumer Mühle stets beteiligt ist, werden sie insbesondere Kindern im Alter von 6 bis zu 12 Jahren das Mahlwerk anschaulich erklären. Um ihnen nach einigen Prüfungsaufgaben anschließend das Müller-Diplom aushändigen zu können.
Am Mühlentag sollen die Kinder in der Wrixumer Mühle einmal hautnah erfahren, wie früher das Mehl gemahlen wurde. Am Mahl- oder auch Reibstein werden sie deshalb selbst arbeiten, um das alte Handwerk auf eine praktische Weise kennenzulernen. Und vielleicht lässt sich auch »Hugo – Der Wrixumer Mühlengeist« blicken. Unter diesem Titel hat Ina Baumart nämlich ein Märchen von Nadja Jürgens weitererzählt, illustriert und als kleines Büchlein veröffentlicht.
Das wird aber nicht das Einzige sein, was das Programm am Mühlentag in Wrixum von 11 bis 16 Uhr zu bieten hat. Die Trachtengruppe kommt, es gibt zwei Aufführungen des Puppentheaters und auch Live-Musik – und Stände mit den unterschiedlichsten Angeboten wie Kunsthandwerk sowie Essen und Trinken.
Ina und Harald Baumgart kommen aus Walsrode in Niedersachsen, haben lange in Hamburg gelebt und zehn Jahre in Dortmund. Eigentlich hatte Ina Baumgart auf Lehramt studiert, aber nie als Lehrerin gearbeitet, sondern als EDV-Projektleiterin. Und ihr Mann als Diplom-Ingenieur. 2009 haben sie in Wrixum gleich gegenüber der Mühle ein Haus gekauft und sind – nachdem sie im Ruhestand waren – 2023 ganz auf die Insel gezogen.
Von Anfang an waren Ina und Harald Baumgart von der Wrixumer Mühle fasziniert. Sie haben sich im Mühlenverein engagiert und lassen sich jetzt als Windmüller ausbilden. Bei Rüdiger Hagen haben sie die ersten Lehrgänge absolviert. Er ist Müller, Mühlenbautechniker und ehrenamtlicher Windmüller in der historischen Holländermühle »Paula« in Steinhude. Seit 1972 fühlt er sich auch der Wrixumer Mühle eng verbunden, hat die Zeichnungen für das Mahlwerk angefertigt und auch Teile des erforderlichen Equipments geliefert. Den offiziellen Lehrgang für freiwillige Müller besuchen die Baumgarts in Ostfriesland. Und zwar einmal im Monat ein Jahr lang. »Die Wrixumer Mühle nicht als Denkmal anzusehen, sondern das alte Handwerk zu nutzen«, das ist ihr Antrieb. 2016 hat die Gemeinde Wrixum die damals sanierungsbedürftige Mühle gekauft. Gleichzeitig wurde der Mühlenverein gegründet. Er hat heute 350 Mitglieder. »Ohne deren Engagement wäre ein derartiges Vorhaben, die Mühle betriebsbereit zu sanieren, erst gar nicht möglich gewesen«, so Bürgermeisterin Heidi Braun. Die sich darüber freut, dass sich auch wieder viele Mitglieder des Mühlenvereins am Pfingstmontag in den Mühlentag einbringen würden.
Für den Mühlenkopf, die Flügel, die Windrose und das Reetdach wurden bislang 400.000 Euro investiert: Davon 50.000 Euro an Fördermitteln, 150.000 Euro an Spenden und 200.000 Euro von der Gemeinde. Jetzt ist noch einmal eine größere Investition fällig für den unteren Teil, wo sich früher das Restaurant befand. Hier soll eine Begegnungsstätte für die Gemeinde entstehen. Ein Raum für Veranstaltungen und Vorträge, der von allen genutzt werden kann. In Zukunft wird in der Wrixumer Mühle also nicht nur wieder Mehl gemahlen.
Von Anfang an waren Ina und Harald Baumgart von der Mühle fasziniert.