Waltraud Dallmann mit ihrem Sohn »Butze« auf dem Bierwagen
Nach einem eher erfolglosen Versuch auf dem Wyker Rathausplatz ist gleich gegenüber an der Ostkaje des Binnenhafens seit Pfingsten 1987 sonntags immer Fischmarkt. Und das seit nunmehr 40 Jahren und sehr erfolgreich, wie wir bereits berichteten. Von den Gründungsmitgliedern ist niemand mehr dabei. Sie sind verstorben, haben die Insel verlassen oder den Betrieb an die nächste Generation weitergegeben – wie Hans-Otto Buth an seinen Sohn Lars-Ole. Eine ist von Anfang an aber immer noch dabei und ein richtiges Urgestein: Waltraud Dallmann, die Frau von Gründungsmitglied Rolf Dallmann. Mit ihren 85 Jahren hält sie bis heute auf dem Bierwagen, der jetzt von ihrem Sohn Christian »Butze« Dallmann betrieben wird, die Stellung. Ihre Geschichte und die ihrer Familie stellen wir in dieser Ausgabe vor. Wie angekündigt, werden wir im Jahr des 40-jährigen Fischmarkt-Bestehens in loser Reihenfolge weitere Marktbetreiber portraitieren.
1978 sind Waltraud und Rolf Dallmann nach vielen Umwegen in Deutschland und Südeuropa auf die Insel gekommen. Und geblieben. Rolf Dallmann hatte in der Süderstraße in Wyk einen Obststand und seine Frau Waltraud am Wyker Sandwall die Damen-Boutique »Johanna«. Und so ganz nebenbei gründete »Dalli«, wie Rolf Dallmann genannt wurde, 1983 den Föhrer Katamaran-Klub, gehörte 1987 zu den Gründungsmitgliedern des Fischmarkts und kaufte in den 80er Jahren im heutigen Wyker Gewerbegebiet, wo damals weit und breit nur Wiesen und Äcker waren, ein Grundstück. »Obwohl er noch gar nicht ganz genau wusste, was er damit anfangen sollten«, erzählt Waltraud Dallmann.
1985 wurde dann auf dem Grundstück gebaut und 1986 die »Markthalle« eröffnet – mit Obst, Gemüse und als Getränkehandel. Gastronomie und Kinderheime wurden beliefert und der von Rolf Dallmann selbstgebaute Schankwagen auch vermietet. Weil dieser sich sonnabends oft im Verleih befand und für den Fischmarkt nachts noch zurückgeholt werden musste, baute der gelernte Maschinenschlosser schnell noch einen neuen.
Im Oktober 2006 ist Rolf Dallmann gestorben. Seine Söhne übernahmen das Geschäft. »Butze« Dallmann kümmerte sich auf dem Fischmarkt mehr um den Getränkewagen und sein Bruder Martin um den Obst- und Gemüsestand. »Unter anderem hatte er damals eine Ananas-Maschine, um die Frucht zu schälen und in Scheiben zu schneiden«, erinnert sich Waltraud Dallmann. Das sei ein richtiger Renner gewesen.
Die Markthalle gibt es seit einigen Jahren nicht mehr. Und auch nicht den Stand mit Obst und Gemüse. Seitdem die Supermärkte auch sonntags öffnen, lohnt sich das nicht mehr. Aber um Obst geht es irgendwie immer noch. Denn Waltraud Dallmann ist nicht nur bekannt ist für ihre gut gezapften Biere und ihren selbstgemachten Manhattan, sondern auch für den Wodka mit Feige.

