Führten einen regen Austausch mit dem Publikum: Jochen Gemeinhardt (FTG), Stefan Borgmann (TA.SH), Annabell Krämer (MdL) und Uli Hess (Bürgermeister Stadt Wyk) (v.li.)     Foto: Stadt Wyk Andreas Hansen

Eigentlich hätte die Veranstaltung im gemütlichen Kaminzimmer stattfinden sollen, doch die Wellen des allgemeinen Interesses schlugen schnell hoch, sodass der große Kurgartensaal als Veranstaltungsort gewählt wurde. Gut so, denn das Thema Tourismus lockte rund 10 Insulaner und Gäste an.
Zu der Podiumsdiskussion »Quo Vadis – Tourismus auf Föhr« hatten die Organisatoren Sybille Rotermund und Klaus Pott von der FDP Föhr-Amrum geladen, betonten zu Beginn jedoch ausdrücklich, dass es sich um keine Werbeveranstaltung der Partei handle, sondern um ein Thema, das alle anginge, heißt es in der Pressemitteilung.
»Weniger Gäste bedeuten weniger Kunden, weniger Umsatz und auch weniger Gewinn«, sagte Sybille Rotermund zur Eröffnung der Podiumsdiskussion, zu der die Landtagsabgeordene Annabell Krämer, auch Tourismussprecherin der FDP, Stefan Borgmann, Geschäftsführer der TA.SH, Jochen Gemeinhardt, Geschäftsführer der Föhr Tourismus GmbH (FTG), und Wyks Bürgermeister Uli Hess, auch Verbandsvorsteher des Tourismus-Zweckverbands Föhr, geladen waren.
Die Vorstellungsrunde begann der in Leck geborene und in seiner Jugend oft auf Föhr zu Fußballspielen angereiste Stefan Borgmann als Geschäftsführer der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein GmbH (TA.SH). Der für die Vermarktung von Reisenden und Geschäftsreisenden im nördlichsten Bundesland verantwortliche Borgmann erarbeitet gerade eine neue Firmenstrategie, für die er alle Tourismuschefs und Entscheider des Landes unter anderem in Sachen Digitalmanagement, und Nachhaltigkeit befragt.
Annabell Krämer hatte die Zeit vor der Veranstaltung bereits genutzt, um sich zwei Stunden lang vor Ort einen Eindruck zu verschaffen. Die auch im Bereich Finanzen eingebundene Landtagsabgeordnete betonte, dass der Tourismus ein »unfassbar wichtiger Wirtschaftszweig« für Schleswig -Holstein sei. Doch Tourismus funktioniere nur mit den Anwohnern. Tourismus brauche Akzeptanz.
Der seit elf Jahren die FTG anführende und für die Bereiche Touristinformation, Marketing und Veranstaltungen verantwortliche Geschäftsführer Jochen Gemeinhardt erklärte, dass es im vergangenen Jahr knapp 900 FTG-Veranstaltungen gegeben habe. Davon viele Kinderanimationen, da man sich nach wie vor als Familieninsel gebe. Im Jahr 2025 habe man 4,6 Prozent mehr Ankünfte und 1,9 Prozent mehr Übernachtungen verzeichnet. Doch die Urlauber würden immer kürzere Urlaube buchen. Dementsprechend brauche man immer mehr Urlauber, um die Übernachtungszahlen halten zu können. Spontanurlaube hätten deutlich zugenommen. Prognosen seien immer schwierig, doch werde viel Online-Werbung betrieben. Im Vorjahr habe man allein 20 Millionen Facebook-Aufrufe verzeichnet. Wünschenswert für die Zukunft wäre ein Indoor-Bereich für Kinderveranstaltungen.
Wyks Bürgermeister Uli Hess vertrat vor Ort den Tourismus-Zweckverband und somit die Dachorganisation aller Kommunen auf Föhr. Der Verbandsvorsteher, der entsprechend den administrativen Bereich vertritt, der die Tourismusgelder verteilt, gab zu bedenken, dass das Thema Finanzen die Insel ständig beschäftigen würde. Was können wir uns leisten? Was müssen wir uns für den Tourismus leisten können? Zu 95 Prozent lebe man auf der Insel vom Tourismus. Stillstand sei letztendlich Rückschritt. Dies könne man unterstreichen.
Einleitend zur Veranstaltung wurde zunächst grundsätzlich über den Tourismus gesprochen. Ein großes Thema ist derzeit die neue Übernachtungssteuer in Schleswig-Holstein. Städte wie Kiel und Schleswig haben angekündigt, jeweils 5 Prozent auf den Übernachtungspreis aufzuschlagen. In Flensburg sind es gar 7,5 Prozent. Doch während diese Steuern direkt in den Landeshaushalt einfließen, gaben Stefan Borgmann und Annabell Krämer an, dürfen Orte, die eine Bäderregelung haben, eine Kur- oder Gästeabgabe verlangen, die dann direkt in die touristische Infrastruktur vor Ort fließt.
Bevor das Publikum seine Gelegenheit erhielt, Fragen zu stellen, fragten Sybille Rotermnd und Klaus Pott kurz die geladenen Teilnehmer, ob der Begriff »Friesische Karibik« noch zeitgemäß sei. Dazu erklärte Jochen Gemeinhardt, dass dieser entsprechend einer Umfrage nach wie vor Interesse wecke. Man habe aber derzeit auch nicht das Geld, mit einer Agentur zusammen einen neuen Slogan einzuführen.
-Der anstehende Umbau der Jugendherberge wurde von Bürgermeister Hess sehr gelobt. Dies bedeute mehr Gäste in einer attraktiven Lage. Das energetische Konzept mit einer Steigerung der Zimmer- und Bettenanzahl sowie die durchdachte Ausstattung mit teilweise eigenen Küchen sei sehr überzeugend.
In der darauffolgenden Fragestunde zeigte sich gleich, dass sich das Publikum an diesem Nachmittag in einen gleichmäßigen Mix aus Ur-Insulanern, Neu-Insulanern, Zweitwohnungsbesitzern und Urlaubern aufteilte. Auf das Monieren der Leerstände an Geschäften in der Wyker Innenstadt und der Rückgang an Fischläden und Restaurants angesprochen, entgegnete Bürgermeister Hess, dass eine Kommune keinen Einfluss auf Mieten und Pachten habe. Ein wichtiger Schritt, um das oft fehlende Personal in der Gastronomiebranche zu locken, sei der derzeitige kommunale Bau von 46 Dauerwohnungen in Wyk zu einem günstigen Quadratmeterpreis. Stefan Borgmann fügte hinzu, dass Personalmangel in dieser Branche ein landesweites Problem sei, denn in Schleswig-Holstein würden über 1.000 Köche fehlen.
Generell sei es nötig, Föhr als Ganzjahresdestination zu etablieren, sagte Sybille Rotermnd. Dies sei für jedem Arbeitgeber von großem Interesse. Jochen Gemeinhardt fügte hinzu, dass das »Upstalsboom« ein gutes Beispiel dafür wäre, wie mit eigener Kraft durch interessante Angebote auch in den Randzeiten erfolgreich gewirtschaftet werden könne. Erklärend meinte Annabell Krämer hinzu, dass in diesem Jahr der Rückgang an Buchungen landesweit bei 9 Prozent liege. Besonders aufgrund der geopolitischen Lage seien die Menschen zurückhaltender. Zudem sei eine Woche Ägypten oftmals günstiger als eine Woche Föhr.
Ob auf dem Podium oder im Publikum: Mit jeder Minute machte sich eine Aufbruchstimmung breit. Einhellig wurde dieser Austausch als »längst überfällig« anerkannt. Endlich könne man einmal gemeinsam über Dinge reden. Bürgermeister Hess lobte: »Es kommt das zur Sprache, was dem einen oder anderen schon lange auf der Seele liegt.« Nun müsse man eine Form finden, wie dieser Austausch in regelmäßigen Intervallen wiederholt werden könne, damit der Kontakt zur Bevölkerung nicht verloren gehe. Stefan Borgmann gab an, es sei grundsätzlich Teil des Stadtmarketing Interessengruppen zu gründen. So könnten kleinere und größere Projekte entstehen. Uli Hess versprach, man werde sich möglichst schnell wiedertreffen. Er wies aber auch darauf hin, dass trotz der vielen öffentlichen politischen Veranstaltungen selten mal Öffentlichkeit da sei und fügte hinzu: »Wir sind in der Theorie nicht schlecht. Was uns manchmal fehlt sind die Macher oder Macherinnen. Daran scheitern wir. Und was wir zusätzlich brauchen, sind beschleunigte Verfahren, um Projekte zu realisieren.«
Eine Urlauberin forderte mehr Flexibilität seitens der Vermieter. Statt immer nur von Dienstag zu Dienstag oder Mittwoch zu Mittwoch zu vermieten, müsse da deutlich mehr Spielraum für den interessierten Gast sein. Ein Geschäftsmann im Publikum forderte grundsätzlich mehr Mut, Dinge einmal auszuprobieren. Man solle auch mal junge Leute einfach machen lassen. Und er forderte ein, dass vermehrt auf die Geschäftsleute zugegangen und gefragt werde: Möchtest Du Dich einbringen? Eine Art Stadtkümmerer für Gewerbetreibende wäre da vielleicht wünschenswert. Ein neuer Vorstand der DEHOGA Föhr berichtete , dass man bereits in einem guten Austausch mit dem Ordnungsamt, der Stadt und auch der FTG sei. Seitens der DEHOGA sei man interessiert, wieder Muscheltage oder Lammtage zu etablieren. Doch auch da sei man auf Unterstützung angewiesen.
»Die Nachricht ist klar angekommen«, resümierte FTG-Chef Gemeinhardt und versprach, einen regelmäßigen Austausch zu fördern. Bürgermeister Hess fügte hinzu: »Die Dialogbereitschaft ist gegeben. Der Tourismuszweckverband ist aufgefordert, alle Interessen der Insel zu bündeln.« Das Inselmarketing werde in Zukunft von den beiden neuen Stadtkümmerern begleitet. Nun heiße es, nicht an alte Zeiten anzuknüpfen, sondern veränderte Zeiten inklusive Ganzjahrestourismus zu bespielen. Die Vermieter seien aufgefordert, ihren Buchungszeitraum anzupassen. »Wir haben einen Strauß von Themenstellungen«.
Auch Sybille Rotermund und Klaus Pott freuten sich über den Erfolg ihrer Veranstaltung: Die Qualität von Fragen und Antworten wäre herausragend gewesen, sagte Klaus Pott. Vieles werde bereits richtig gemacht. Die Insel verfüge über bemerkenswerte Alleinstellungsmerkmale. Die Gäste kämen von weit her, um Föhr zu erleben. Was noch fehle, sei jetzt eine bessere Vernetzung.

Rund 100 Personen freuten sich über die Gelegenheit „einmal Luft abzulassen“     Foto: Stadt Wyk Andreas Hansen