Bei dem spannenden Anblick wird für die kleine Victoria Hansen selbst der leckere Muffin fast zur Nebensache.
Fast wäre der »Tag der offenen Tür« des Nationalpark-Hauses Föhr nicht ins Wattenmeer, aber ins Wasser gefallen. Rund 50 Prozent der Belegschaft war krankheitsbedingt ausgefallen. Aber nach dem Motto »jetzt erst recht« und mit der Hilfe vieler Insulaner konnte der lange geplante Tag dann doch mit einem bunten und interessanten Programm stattfinden.
In den Räumen des ehemaligen AOK-Kinderheims fühlen sich die Schutzstation Wattenmeer und das Nationalpark-Haus bereits seit vier Jahren rundum wohl. Am Ende der Strandstraße in unmittelbarer Nähe zum Wattenmeer gelegen, könnte der Standort aus Sicht des Naturschutzes und unter dem Label der Nachhaltigkeit nicht besser sein. Die Informations- und Anlaufstelle für das Weltnaturerbe und den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist eine Zusammenarbeit von Schutzstation Wattenmeer e.V., der Nationalparkverwaltung, der Nationalparkservice gGmbH und der Stadt Wyk.
Immer einen Besuch wert ist das Nationalpark-Haus Föhr am Ende der Strandstraße. Ideal zum Vor- und Nachbearbeiten von Wattführungen vor Ort, bietet die Ausstellung insbesondere für Familien mit Kindern eine kurzweilige Attraktion am Wyker Südstrand. Der barrierefreie Eingang führt zunächst zum Shop, wo ein großes Relief die Insellandschaft um Föhr zeigt. Gleich links ist der Eingang zum Aquarium. Dunkel, fast wie in einer Grotte, kann hier ein Teil des Lebens des Wattenmeers aus nächster Nähe betrachtet werden. Schollen, Aalmuttern, Einsiedlerkrebse, Seesterne und dreistachlige Stichlinge haben sich hier bestens eingelebt. Der neue »Star« des Aquariums ist eine Seenadel. Diese hat nicht nur Ähnlichkeit mit einem Seepferdchen, sondern ist tatsächlich mit diesem verwandt.
Schon im Aquarium beginnt das Lehrsame, was den Besuch des Nationalpark-Hauses so wertvoll für Groß und Klein macht. Es wird erklärt, wie die Nahrungskette vom Plankton an funktioniert. Wer frisst was? Interessiert schauen sich die Besucher, die oft zwei Stunden lang bleiben, in der Ausstellung um. Hier gibt es Informationen über den Strand, die Salzwiesen und natürlich das Wasser, diesem einzigartigen Lebensraum. Gezeigt wird,, zu welchen Leistungen Vögel im Stande sind, welche Entfernungen eine Küstenschwalbe oder ein Knutt zurücklegen kann. Entlang der Fenster mit direktem Blick auf das Wattenmeer informieren Tafeln über Wattwurm, Herzmuschel, Silbermöwe & Co. Von einem der Fenster aus können Besucher mit einem Spektiv Wattvögel bei Niedrigwasser genau beobachten. Interessiert verweilen die Gäste in der Ausstellung, schauen sich fasziniert um. Die Kleinen können vor Ort malen und puzzeln — und an diesem besonderen »Tag der offenen Tür« sogar mit Rallyebögen Dinge erkunden.
Was beim Besuch des Nationalpark-Hauses sofort auffällt, sind die vielen jungen engagierten Leute, die hier arbeiten. Ob am Info-Tisch, an der Kasse oder auch bei der Durchführung der Veranstaltungen. »Wir haben ganzjährig sechs junge Menschen im Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) beziehungsweise im Bundesfreiwilligendienst (BFD). Dazu von April bis September drei weitere Helfer im Halbjahres-BFD,« sagt die Stationsleiterin Dr. Silke Bertram. »Sie betreuen die Ausstellung und leisten Bildungsarbeit sowie wertvolle Naturschutzarbeit.«
Über einen neugestalteten Flur, der sich mit dem leidigen Thema Müll beschäftigt, führt der Weg in kleinere Nischen, die zum Mikroskopieren einladen, Vogelstimmen vorstellen, sich mit Strandfunden von Vogelfedern bis zur Flaschenpost beschäftigen, die Tierwelt von den Seepocken über die Insekten bis hin zu den Schweinswalen erklärt oder einen Film über die Halligwelt bei Landunter zeigt.
Rund 300 Personen nutzten an diesem »Tag der offenen Tür« die Gelegenheit zum Besuch der facettenreichen Ausstellung. Ist das Nationalpark-Haus Föhr doch eine sehenswerte Attraktion inmitten des Nationalparks Wattenmeer, dem größte Nationalpark Mitteleuropas — mit Föhr mittendrin.
Fenster mit Aussicht: Die Lage des Nationalpark-Hauses Föhr spricht für sich. Fotos: Andreas Hansen