MKdW-Direktorin Prof. Dr. Ulrike Wolff-Thomsen (li.) und Kuratorin Dr. Katrin Hippel

Die Ausstellung „Moderne trifft Küste – Künstlerische Aufbrüche im Norden“ ist noch bis zum 10. Januar im Museum Kunst der Westküste (MKdW) in Alkersum zu sehen. Sie widmet sich einem faszinierenden Kapitel der europäischen Kunstgeschichte: Den frühen Impulsen der Moderne im Norden. 49 Werke aus der eigenen Sammlung werden ergänzt durch Leihgaben des Nationalmuseums Stockholm, des Kunstmuseums Den Haag und der Familie Fielmann. Namhafte Künstlerinnen und Künstler wie Max Beckmann, Jacoba van Heemskerck und Edvard Munch sind ebenso mit Gemälden vertreten wie Peder Balke, Frits Thaulow und Emil Nolde sowie Malerinnen und Maler, denen bisher wenig Beachtung geschenkt wurde.

In der Ausstellung zeigen sich die großen Themen der Moderne im Spiegel des Nordens: Das Experiment mit der Technik, der Übergang vom Naturalismus zu freien Farb- und Formgebung, die Reduktion als künstlerische Provokation und nicht zuletzt das Meer als Projektionsfläche existenzieller Bewegung zwischen Meer, Himmel aus ungewohnter Perspektive neu zu entdecken.  „Moderne“ meint hier nicht nur Stilrichtungen, sondern eine Haltung. Den Mut, das Sichtbare zu hinterfragen, Perspektiven zu verschieben und ein neues Denken in Gang zu setzen.

Spricht man vom Begriff der Moderne an der norwegischen Küste, im Norden oder sogar allgemein, so führt der Blick unweigerlich zu Edvard Munch, der sich wie kaum ein anderer als Wegbereiter der Klassischen Moderne in den Kanon der westlich geprägten Kunstgeschichte eingeschrieben hat. Als Schlüsselfigur existenzieller Themen überstrahlt sein Name bis heute – nicht nur in Norwegen – den vieler anderer Künstlerinnen und Künstler. Vielleicht weniger bekannt ist, dass Munchs künstlerische Wurzeln Freilichtmalerei lagen. In diese hatte ihn unter anderem der rund 16 Jahre ältere Kunstkollege und entfernte Cousin Frits Thaulow, eingeführt.

Als einer der bedeutendsten Maler des Expressionismus in Deutschland gilt heute Emil Nolde. Seine Aquarelle um 1920 lassen ebenso wenig wie seine späteren Werke bezweifeln, dass er in seiner Malerei maßgeblich moderne und avantgardistisch geprägte Fragestellungen verfolgte: Alles nachzulesen im aufwendig gestalteten Katalog, der zur Ausstellung herausgegeben wurde.

Mit der App „MKdW on tour“ können nicht nur Sammlungswerke des Museums unterwegs entdeckt werden. Sie begleiten die Gäste auch bei ihrem Museumsbesuch. Farbenstürme, expressive Badefreuden und tiefe Isolation am Meer: An der Küste bringen die Aufbrüche der Moderne vertraute Impressionen ins Wanken und erfinden neue Formen. Wie modern malte Peder Balke, welchen neuen Lehren folgte Sigrid Hjertén und wie kündigt sich Kandinskys radikal abstrakter Malstil an? Nur einige Fragen, die in der App beantwortet werden.