Schön gereinigt stehen sie da: Die historischen Grabsteine von St. Nicolai.   Foto: Andreas Hansen

Restaurierungsprojekt von St. Nicolai erfolgreich abgeschlossen:

Historische Grabsteine wurden restauriert

Jeder Euro hat gezählt. Jede einzelne Spende hat den historischen Grabsteinen von St. Nicolai neues Leben eingehaucht. Kürzlich konnte das abgeschlossene Projekt der Konservatorischen Restaurierung von 130 Grabsteinen in einer Dankesveranstaltung den Spendern und vielen Interessierten vorgestellt werden.

Was anfangs als ein weiter Weg erschien, konnte innerhalb von nur zwei Jahren umgesetzt werden. Wie bei allem, war da zunächst eine Idee. Diese kam Kirchengemeinderat Andreas Hansen und Joachim Taege, der das Restaurierungsprojekt der »Sprechenden Grabsteine« in Süderende erfolgreich betreut hatte, im März 2024 bei ein Getränk im »Aquamarin«. Warum nicht auch eine Restaurierung in Wyk? Schließlich weist St. Nicolai mehr Grabsteine aus dem 17. und 18. Jahrhundert auf als St. Laurentii oder auch St. Johannis.

Doch jede Idee ist nur so gut wie ihre Umsetzung. So wurde man schnell aktiv. Taege stellte den Kontakt zur Diplom-Restauratorin Malaika Krohn her, die bereits seit 15 Jahren ein vergleichbares Grabstein-Projekt auf dem Nebeler Friedhof von St. Clemens betreut hatte und Hansen suchte die damalige Friedhofsführerin Anja Behrendsen auf, die umfangreiche Aufzeichnungen über die etwa 185 historischen Grabsteine von St. Nicolai besitzt. 130 davon befinden sich im direkten Umkreis der Kirche. Diese beschloss der Kirchengemeinderat konservatorisch restaurieren zu lassen. Malaika Krohns Angebot hierüber belief sich auf 65.000 Euro plus Unterkunft. Rund 500 Euro pro Stein.

Während die Genehmigungen der Denkmalbehörden und des Kirchenkreises eingeholt wurden, machte sich Andreas Hansen daran, Spenden zu sammeln. Erster Ansprechpartner war die Föhr-Amrumer Bank, die sogleich 15.000 Euro zusagte. Es folgte die Wyker Dampfschiffs-Reederei mit 20.000 Euro und die Eilun Feer Stiftung mit 4.000 Euro. Ein sehr guter Start. Hinzu kamen Kollekten, Privatspenden nach Artikeln im Gemeindebrief und nach Vorträgen bei den Rotariern und dem Lions Club. So stieg die Summe stetig an, sodass Restauratorin Krohn im Juli 2025 die ersten Steine reinigen konnte. Aber das Geld reichte noch lange nicht. Dann passierte im September 2025 etwas Unglaubliches: Thorsten Mohr, finanzieller Betreuer eines Herrn Lützhöft, fragte an, wie hoch der »Fehlbetrag« noch sei. Sein Klient wäre bereit, eine größere Summe zu spenden. Als Hansen antwortete, dass noch 28.000 Euro fehlen würden, kündigte Lützhöft, der wenige Tage später 90 Jahre alt wurde, eine Spende in Höhe von 25.000 Euro an. Damit war das Projekt endgültig gesichert. »Ich weine nicht oft«, sagte Andreas Hansen in seiner Dankesrede, »aber als die Mail kam, habe ich zu Hause vor Freude wie ein Schlosshund geheult.«

Am 31. August konnte Restauratorin Malaika Krohn ihre Reinigungsarbeiten abschließen. Nach ihrer fachmännischen Arbeit sind Abbildungen und Schrift jetzt wesentlich deutlicher erkennbar. Risse wurden behandelt, Öffnungen geschlossen. Bei jeder einzelnen Stele erfolgte zudem eine ausführliche Dokumentation der geleisteten Tätigkeiten mit Fotos vor und nachher. Es sind genau diese Unterlagen plus der bereits vorhandenen Aufzeichnungen, die es verdienen, für die vielen interessierten Besucher des Friedhofs aufgearbeitet zu werden. »Leider können wir Ehrenamtler diese Arbeit nicht leisten«, sagte Kirchengemeinderat Hansen. »Wir suchen daher jemanden wie einen Doktoranden, einen Studenten oder eine Abiturklasse, die die Vielzahl der vorhandenen Informationen zusammenfasst und in QR-Codes den Friedhofsbesuchern vorstellt.«
Wie sie es auf Amrum praktiziert, wird Restauratorin Krohn auch in Zukunft weiterhin ein Auge auf das »Boldixumer Museum ohne Dach drüber« halten. So ist abgesprochen, dass sie einmal jährlich die Stelen sichtet und punktuell Behandlungen mit einem Algizid vornimmt, um die Neuvergrünung einzudämmen. Die Kosten hierfür sind zumindest für die ersten drei Jahre dank der vielen Spenden abgedeckt.