Der Gedenkstein von Inselsteinmetz und Bildhauer Markus Thiessen wird am 21. November eingeweiht.

Gerade erst wurde am Eulenkamp in Wyk, ganz in der Nähe des ehemaligen Hauses Schöneberg am Südstrand – nicht zu vergleichen mit dem heutigen – eine Gedenktafel enthüllt: Zur Erinnerung an die 100 geistig behinderten Kinder, die 1967 von Berlin nach Föhr geschickt wurden und in dieser damaligen Einrichtung statt Fürsorge viel Leid und Unrecht erfuhren. Vom 19. bis 22. November lädt jetzt die Initiative Verschickungskinder e.V. gemeinsam mit dem AEKV e.V. (Aufarbeitung und Erforschung Kinderverschickung) zum achten Bundes-Fachkongress nach Wyk auf Föhr ein. Erwartet werden rund 80 bis 100 Betroffene aus ganz Deutschland sowie Forscher und Fachleute. Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen ehemaliger Verschickungskinder, der aktuelle Stand der Forschung und die Frage, wie Aufarbeitung, Anerkennung und Erinnerung weitergeführt werden können.
Im Rahmen des Kongresses wird eine Erinnerungs- und Gedenkstätte für Verschickungskinder offiziell eröffnet. Der Gedenkstein wurde vom bekannten Föhrer Bildhauer und Inselsteinmetz Markus Thiessen gestaltet und von der Region sowie mehreren ehemaligen Kinderkur-Trägern unterstützt.
Als »Verschickungskinder« bezeichnen sich Menschen, die vor allem in den 1950er- bis 1980er-Jahren häufig schon im frühen Kindesalter ohne ihre Eltern für mehrere Wochen in Kindererholungsheime oder Kinderheilstätten geschickt wurden. Viele berichten von Erfahrungen, die sie bis heute belasten. Forschungen und Aktenfunde dokumentieren unter anderem rigide Disziplinierung, Zwang beim Essen, Toilettenverbote, Strafen und entwürdigende Behandlung. Seit 2019 haben Betroffene ihre Erfahrungen verstärkt öffentlich gemacht. Zugleich wurden wissenschaftliche Forschung, Archivrecherchen und Untersuchungen ehemaliger Träger intensiviert. Für die Zeit zwischen 1950 und 1980 wird von insgesamt etwa 8 bis 12 Millionen unbegleiteten Kinderverschickungen ausgegangen. Die Initiative verfügt inzwischen über nahezu 15.000 Berichte aus wissenschaftlich begleiteten Befragungen.

Föhr war über Jahrzehnte ein bedeutender Ort der Kinderverschickung, heißt es in der Pressemitteilung. In den 1960er-Jahren wurde die Insel zeitweise als »Kinderinsel« bezeichnet; zahlreiche Kindererholungsheime und Kinderheilstätten befanden sich hier. Nach bisherigen Recherchen wurden im Laufe von drei Jahrzehnten weit über 200.000 Kinder nach Föhr verschickt. Viele Aktenfunde, Zeitzeugenberichte und wissenschaftliche Arbeiten beziehen sich auf die Insel. »Gerade deshalb ist Wyk heute auch ein wichtiger Ort der Erinnerung«, so die Initiative Verschickungskinder e.V.